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Verfasser
Lutz Ressmann
Keywords
Direktwerbung,
DialogmethodeTM
, Direct-Response, Werbetext, Web-Usability
Links / PDF
Aktualisierung:
29.01.2008
© 2008
|
|
| Was versteht man unter Direct-Response in der
Werbung? |
"Direct-Response" kommt aus dem Englischen
und kann übersetzt werden in "sofortige Reaktion". Die Direct-Response
Werbung zielt darauf ab, Ihnen sofort kaufende Kunden zu bringen.
Direct-Response ist in Deutschland bekannt unter dem Namen DialogmethodeTM
nach Prof. Dr. Siegfried Vögele. |
|
Ist Direct-Response
gleichzusetzen mit Direct-Mail oder Direktwerbung? |
Nein. Direkt-Response ist eine
Methode zum Texten und Gestalten von Werbung. Dies kann im Grundsatz
jede Form von Werbung sein, wie z.B. Zeitungs-Inserate, Werbebriefe,
Flugblätter, Plakate, Fernseh- und Radiospots und als neueste Form der
Werbung, die Web-Seiten im Internet. Überall sollte die Methode des Direct-Response zum Einsatz kommen, sogar in Stellenausschreibungen,
Betriebsanleitungen und Geschäftsberichten. Das einzige Kriterium ist die
sofortige Reaktion des Kunden. |
|
Was sind denn die Hauptmerkmale
im Direct-Response? |
Das
wichtigste ist, dass Direct-Response kundenorientiert und eben nicht produktorientiert
ist. Direkt-Response zielt direkt auf das Herz Ihrer Kunden. Wünsche und
Bedürfnisse sollen direkt ausgelöst werden. Ansatzpunkt sind die Emotionen
des Menschen, vor allem seine "unbelehrbaren Verhaltensweisen", also
Verhaltensmuster, die noch aus der Steinzeit stammen und gegen die sich
niemand wehren kann. Nehmen wir mal ein Beispiel:
"Das neue Makro-Objektiv von Canon!" Diese produkt- und firmenorientierte
Schlagzeile wird so gut wie überhaupt keine Reaktionen bei der relevanten
Zielgruppe auslösen. Von dem Nutzen für den Kunden ist überhaupt keine Rede.
Die kundenorientierte Form könnte wie folgt lauten: "Gestochen scharfe
Nahfotos - auch bei schwachem Licht!" Damit kann der Kunde was anfangen,
seine Probleme werden direkt angesprochen. Die Grundbedürfnisse des Menschen
werden ohne Umschweife aktiviert. |
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Welche
Grundbedürfnisse des Menschen bestehen? Gibt es noch mehr solcher Bedürfnisse? |
In der klassischen Werbung
spricht man von den 4 P´s, die natürlich, Sie ahnen es schon, wieder einmal
dem Englischen entlehnt sind. Sie fangen alle mit P an:
-
Pride
- Pleasure
- Profit
- Peace
Und da wir in Deutschland leben, sollten wir die Begriffe
übersetzen:
- Stolz
- Spaß
- Gewinn
- Frieden
Es gibt natürlich noch zahlreiche weitere
Grundbedürfnisse, von denen die wichtigsten wie folgt lauten:
- Neugier
- Sex
- Sicherheit
- Macht
- Freiheit
- Selbstbestimmung
- Kontakt
- Bequemlichkeit
Diese Grundbedürfnisse oder auch Motivationen (verstanden
als auf ein Ziel ausgerichtetes Bedürfnis) müssen wir in unserer Werbung
(wie im Verkauf allgemein) ansprechen, um Erfolg zu haben. Das mag Ihnen als
primitiv, vielleicht sogar abstoßend erscheinen, funktioniert aber trotzdem.
Es kann auch gar nicht anders sein, denn im Verhalten des Menschen spielen
Motivationen die größte Rolle. Er ist weniger rational gesteuert, als wir
alle denken. Der Abstand zum Schimpansen ist nicht allzu groß. |
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Was heißt das nun konkret? |
Es bedeutet,
dass der Leser
unserer Werbung binnen 10 Sekunden erkennen will, wenn nicht muß, was ihm
eben mehr Geld, mehr Bewunderung, mehr Sicherheit oder Erfolg bringt. |
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Wie kommen Sie denn auf
ausgerechnet 10 Sekunden? Haben Sie das erforscht oder erfunden? |
Es hat sich in der Wissenschaft
bewährt, dass der erste Lese-Durchgang (man sagt auch "Überfliegen") bei
Menschen, die Werbung lesen, höchstens 10 Sekunden dauert. Prof. Siegfried
Vögele hat hierzu bahnbrechende Arbeiten vorgelegt. Sie zeigen, wie Vögele
mit Hilfe einer Augenkamera das angeborene (und deshalb unbelehrbare)
Leseverhalten der Menschen untersucht hat. Ich empfehle Ihnen dazu Vögeles
Buch: "Dialogmethode - Das
Verkaufsgespräch per Brief und Antwortkarte!" Es ist ein Standardwerk im
Direktmarketing. Im Umkehrschluß gilt somit,
dass der
Leser Ihre Werbeaussage nicht zur Kenntnis nimmt, wenn er nichts entdecken
kann, was seine Grundbedürfnisse anspricht. Dann reagiert er nicht und
schlimmer: er kauft nicht. |
|
Herr Ressmann, was halten Sie von
der Aussage, dass lange Texte nicht gelesen werden. |
Diese Aussage ist Blödsinn. Es
hängt immer davon ab, ob der Text gut ist, also die Grundbedürfnisse des
Lesers befriedigt oder nicht. Häufig wollen die Leser mehr Information, als
man sie in kurzen Artikeln unterbringen kann, der lange Text befriedigt
dieses Grundbedürfnis. Es ist natürlich klar, dass auch der lange Text so
gestaltet sein muß, dass er Abschnitt für Abschnitt die Probleme des Kunden
anspricht und einen gewissen Spannungsbogen aufbaut, ähnlich wie ein Krimi.
Außerdem setzt der lange Text voraus, dass er an einen Leser gerichtet ist,
bei dem man ein gewisses "Involvement" voraussetzen darf, der also an der
Information besonders interessiert ist und deshalb gern etwas Zeit
investiert. Würden lange Texte nicht gelesen, wie könnte dann Dieter Bohlen
so viele Bücher verkaufen, die haben immerhin über 300 Seiten. Oder Harry
Potter mit meist mehr als 700 Seiten. Und wie die verkauft werden. Da stimmt
einfach alles. Es wird wohl kaum nur an den Titeln liegen, wenn ein Buch zum
Bestseller wird. Sehen Sie mal sich selbst: Der
Text, den Sie hier lesen ist lang: Wenn ich nicht bereits in der Überschrift
eines Ihrer Grundbedürfnisse angesprochen hätte, hätten sie dieses Dokument
gar nicht erst geöffnet. Die 10-Sekunden-Regel habe ich damit schon mal
erfüllt. Weiter habe ich dialogorientiert geschrieben, so wie wir auch im
richtigen Leben miteinander kommunizieren. Ferner biete ich in jedem
Abschnitt etwas Neues. Und schließlich ist Ihr Involvement ausreichend hoch,
weshalb Sie jetzt gern weiterlesen. Nicht wahr? So ist es richtig, Sie werden
nicht enttäuscht ... Ich heiße ja nicht Schröder :-) |
|
Ja schon, aber wie kann ich denn
in diesen kurzen Werbetexten Spannungsbögen aufbauen? |
Sie haben recht. Bei so kurzen
Texten ist das nur bedingt möglich. Deshalb müssen Sie dafür sorgen, dass die
Fragen, die durch die Schlagzeile und den ersten Absatz beim Leser geweckt
wurden, beantwortet werden. Dabei muß der Leser spüren, dass man mit ihm
spricht und das man ihn und seine Probleme ernst nimmt. Wie das
funktioniert, hat uns Siegfried Vögele mit seiner "Dialogmethode" gezeigt.
Werbung wird hier sozusagen als Frage & Antwortspiel gesehen. Der Leser,
sprich Kunde, hat Fragen und wir müssen sie ihm schnell beantworten, um zu
verkaufen. Nicht umsonst ist ja auch dieser Workshop als Frage- &
Antwort-Kurs konzipiert. Denn so verstehen Sie noch schneller, wie Direct-Response-Werbung funktioniert. Alles klar? |
|
Und was für Fragen hat der Leser? |
Ich greife nochmals das Beispiel
mit dem Makro-Objektiv auf (Für die Laien meiner geneigten Leserschaft - Ein
Makro-Objektiv ist ein spezielles Objektiv, das i.d.R. für Nahaufnahmen
eingesetzt wird.) Nimmt der Leser die Schlagzeile "Gestochen scharfe
Nahfotos - auch bei schwachem Licht!" wahr, so läuft bei ihm innerhalb von
nur 10 Sekunden folgende Fragenkette ab:
- Könnte das was für mich sein?
- Habe auch ich dieses Problem?
- Soll ich weiterlesen?
Falls der Leser kein ambitionierter Fotograf ist, oder
nicht auf die Makrofotografie spezialisiert ist, wird sein Gehirn "Nein!"
melden und nicht mehr weiterlesen. Deshalb müssen Sie ja auch schon im
Vorfeld dafür Sorge tragen, dass Sie Ihre Werbung an die "richtige"
Zielgruppe richten, also im Falle des Werbebriefs, die "richtigen" Adressen
wählen oder Ihr Inserat in der "richtigen" Zeitung erscheint. Und "richtig"
ist immer da, wo sich Ihre Zielgruppe aufhält. Aber das ist ein anderes
Thema.
Wenn ihm sein Gehirn jedoch eine Zahl von Vorfällen
meldet, bei denen er dass Gefühl hatte, dass er im Falle von Makrofotos
ständig Probleme hatte, entweder mit der Schärfe der
Fotos (z.B. "Verwackler") oder schwachem Licht oder beidem, so wird er sich in einem zweiten
Durchgang mit dem Text beschäftigen. Erst jetzt liest er die
Unter-Schlagzeile, den unterstrichenen Text, mögliche Bildlegenden und
vielleicht auch noch den ersten Absatz des Fleißtextes. |
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Und wann kauft der Kunde endlich
oder entschließt sich dazu wenigstens weitere Unterlagen anzufordern? |
Gemach, Gemach! Soweit ist es
noch lange nicht. Verkaufen ist wie Freien. Nur der Geduldige kommt ans
Ziel. Haben wir die erste "Wegwerfwelle" überstanden, die ersten 10
Sekunden, müssen wir jetzt erstmal die zweite Wegwerfwelle überstehen. Das
Gehirn des Lesers produziert jetzt nämlich weitere Fragen, wie z.B.:
- Ist es vernünftig, mir gerade jetzt ein neues Objektiv
zuzulegen?
- Kann ich mir das überhaupt leisten?
- Was kostet es?
- Welchen Zusatznutzen habe ich?
- Kann ich das erstmal testen?
- Wann und wo kann ich das tun?
- Wo kann ich mehr erfahren?
- Habe ich ein Risiko, wenn ich dort anrufe?
- Bekomme ich eine Belohnung, wenn ich sofort reagiere?
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Bin ich denn am Ziel ,wenn das
Gehirn des Lesers zu allem "Ja!" sagt? Muß es überhaupt zu allem "Ja!"
sagen? |
Im Grunde genügt es schon, wenn
es zu einigen Punkten "Vielleicht!" sagt. Klar ist jedoch, dass der Leser um
so schneller reagieren wird, je mehr Jas wir produzieren und umso weniger
Neins. Jedes Ja ist ein Verstärker - jedes Nein ist ein Filter! Das ganze
Geheimnis liegt darin, dass Sie den Leser bei der Stange halten müssen, und
dazu müssen Sie möglichst viele Jas sammeln. Ansonsten verliert er sofort an
Lese-Energie und gibt schließlich auf. Die Erfolgsformel einer jeden
Werbung lautet: Verstärker minus Filter. So einfach ist das. |
|
Ist das denn nicht
selbstverständlich? |
Offenbar nicht. Sehen sich mal
all die schlechten Werbetexte in der schönen tollen Medienwelt an. Da ist
nur allzu häufig die Rede von all den tollen Produkten, die Firma 08/15
herstellt oder wie toll doch die Firma selbst ist. Sie ist voll von Aussagen
wie:
- "Wir sind die Größten"
- "Wir sind die Besten"
- "Für uns im Mittelpunkt: Der Kunde"
- "Montag ist Ruhetag"
- "Keine Spezialwünsche möglich"
Und wenn der Kunde dann kaufen will, dann bekommt er
häufig zu spüren, dass er nur eine Nr. ist, die man schnell abspeisen kann.
Das einzige was stört, ist der Kunde. Es ist zu viel die Rede davon, was
alles nicht geht oder wann der Kunde gefälligst wegbleiben soll. Der Kunde
will hören, wer, wann, wo und zu welchen Kosten er seine Probleme gelöst bekommt. Sonst
interessiert ihn überhaupt nichts! |
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Welchen Einfluß haben Graphiken
und Bilder auf den Werbeerfolg? |
Bilder und Graphiken können
durchaus einen großen Anteil am Werbeerfolg haben. Vorausgesetzt, man hat
Kenntnis darüber, wie man sie richtig einsetzt. Wenn nicht, sollte man Sie
besser weglassen. Auf jeden Fall müssen die Bilder und Graphiken zum Text
passen. Tun sie es, so können sie als zusätzliche Verstärker wirken und den
Werbeerfolg deutlich erhöhen. Betreiben Sie ein Inkasso-Büro, so ist die
Abbildung eines Mannes im schwarzen Anzug möglicherweise verkaufsfördernd.
Und auch für die Firmenadresse hätte ich so manch gute Idee. Aber lassen wir
das, sonst rufe ich noch das Gesindel auf den Plan.
So mancher Graphiker oder Designer macht den Text jedoch so kaputt,
dass die
Bilder als Filter wirken, dass die Werbung nicht mehr gelesen wird, der Kunde
nicht kauft. All die Graphiker, Designer, Web-Designer und wie sie alle
heißen mögen mir verzeihen, was ich jetzt sage:
Auf den Inhalt kommt es an! Die schönste Verpackung nutzt
nichts, wenn nur fauler Mist enthalten ist. Informationsmüll, mit dem der
Leser nichts anfangen kann. Ein guter Inhalt kann das schlechteste Design,
die schlechteste Form aufwiegen. Damit will ich nicht unbedingt schlechtem
Design das Wort reden. Ich will Sie nur dazu animieren, in Ihrer Werbung
(vor allem im Internet) weniger auf die Form oder technische Gimmicks, als
vielmehr auf einen Informativen Inhalt zu achten, die Grundbedürfnisse Ihrer
Kunden anzusprechen. Es ist sicher schöner, wenn ein Ferrari blitzblank
poliert ist, ich bin jedoch sicher, 90 % aller Männer werden den Wagen
selbst dann fahren, wenn er gerade durch die Wüste Gobi gescheucht wurde.
Wetten das? |
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Können Sie mir ein paar
Gestaltungsregeln verraten? |
Aber gern. Allerdings werde ich
das nur in Stichpunkten tun. Irgendwie muß ich mein Beraterleben ja
schließlich finanzieren. OK? Los geht´s:
-
Achten Sie beim Texten stets
darauf, dass die Lese-Energie des Lesers zumindest im ersten Durchgang
äußerst gering ist. Beachten Sie den Satz des bekannten Werbemannes David
Ogilvy: "Werbung richtet sich nicht an eine angetretene Armee, sondern an
eine vorbeiziehende Truppe." Um es noch deutlicher zu machen zitiere ich
Siegfried Vögele der in seinem vorhin zitierten Buch folgendes geraten
hat: "Werbung an promovierte Akademiker muß für das Verständnis von
Studenten im ersten Semester, Werbung an Handwerker für das Verständnis
ihrer Lehrlinge im ersten Lehrjahr und Werbung an die große Masse für das
Verständnis von Zwölfjährigen getextet werden." Halten Sie sich an die
KISS-Methode: "Keep it simple an stupid!" - "Halte es einfach und
blöd!"
-
In den Fließtext gehören Wörter,
die den persönlichen Dialog ersetzen. Am besten gestalten Sie den gesamten
Werbetext wie einen Dialog. Es heißt nicht umsonst Dialogmethode.
Beachten Sie dabei ferner den guten alten Grundsatz: "Wer fragt, der
führt!"
-
SCHREIBEN SIE IHREN WERBETEXT
NICHT IN VERSALIEN; ALSO GROßBUCHSTABEN. So ist er schlechter lesbar.
-
Übel und keinesfalls
verkaufsfördernd ist das Verwenden von weißer Schrift auf schwarzem Grund,
der sogenannten Negativschrift.
-
Verwenden Sie für Ihren Werbetext
möglichst eine sogenannte Antiqua-Schrift. Das ist eine Schrift mit
Serifen (Füßchen) wie der Text, den Sie hier lesen (Times New Roman).
-
Verwenden Sie für die Schlagzeile
keine Schriftgröße unterhalb von 24 Punkt.
Auch der Fließtext sollte je nach Medium ausreichend groß bemessen sein.
Denken Sie an die vielen Brillenträger. Wenn Sie jetzt noch in der
Schlagzeile die vier P´s berücksichtigen, haben die schon die halbe Miete
im Sack. Nehmen Sie sich die Bild-Zeitung als Vorbild. Was meinen Sie,
warum hat die einen so großen Erfolg?
-
Bei Werbebriefen beachten Sie die
sogenannte Lesekurve. Der Leser eines Werbebriefes hat die Neigung,
oben links in den Brief einzusteigen und unten rechts wieder auszusteigen.
Es handelt sich dabei um ein unbelehrbares, d.h. angeborenes Verhalten.
Dies hat Siegfried Vögele mit seiner Augenkamera in zahlreichen Versuchen
eindeutig festgestellt. Wenn Sie Ihren Werbebrief nun so gestalten, dass
das Auge des Lesers unweigerlich an seinen Vorteilen hängen bleibt (die
vier P´s), was insbesondere durch die geschickte Gestaltung von Absätzen
und Unterstreichungen geschehen kann, so wird sich die Anzahl positiver
Reaktionen auf Ihren Direktbrief um ein Vielfaches erhöhen.
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Aber Herr Ressmann, sind denn die
Kunden nicht allmählich immun gegen Werbe-Beeinflussung jeder Art? Ist sie
nicht einfach bloß teuer und nutzlos? |
Es stimmt, jedoch nicht so ganz.
Die Ablehnung der Kunden was die Werbung anbetrifft (im Marketing nennen wir
das Reaktanz), hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Das liegt ganz
einfach daran, dass auch die Informationsüberflutung in den letzten Jahren,
gerade aufgrund der Verbreitung der neuen Medien, zugenommen hat. Und wird
reagieren auf alles, was man uns inflationär darbietet, mit Ablehnung. Wir
werden renitent. Das ist eine natürliche Schutzfunktion, ohne die wir uns in
unserer Welt überhaupt nicht mehr zurechtfinden würden.
Die negative Reaktion mit Bezug auf die Werbung wird jedoch überschätzt. Viele Kunden reagieren nach wie vor auf Werbung, es sind nur
nicht mehr ganz so viele wie früher. Die Reaktionsquoten, der Werbeerfolg
nimmt ab. Das rechtfertigt aber wohl kaum schlechte Werbung. Keine Ausreden
bitte! Gerade weil Werbung inflationär eingesetzt wird, müssen wir uns immer
mehr anstrengen, um sie wirklich gut, das heißt bedürfnisorientiert und
zielgruppengerecht zu gestalten. Meinen Sie nicht auch? In der Werbung gilt
nach wie vor der Satz: "Bei der Werbung zu sparen um Geld zu sparen, das ist
dasselbe, als würde man die Uhr anhalten um Zeit zu gewinnen!" |
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Gelten die Regeln des
Direkt-Response auch für das Internet? |
Und wie? Und gerade hier besteht
der größte Handlungsbedarf. 90 % aller Web-Seiten sind elektronische
Visitenkarten und die verkaufen nun mal nichts. Das WWW ist voll von
graphischen Meisterwerken, tollen Flash-Animationen, schüttelnder Hände,
verboten schöner Werbe-Zombis und vielen bunten Bildchen. Doch ich frage
Sie: Haben Sie schon mal erlebt, dass man mit bloßem Design große Umsätze
erzielt hat? Eben! Wollen Sie zahlende Kunden anziehen, dann werden Sie
nicht umhinkommen, sich auf den Inhalt zu konzentrieren. Ein "Web-Relaunch"
wird fällig. Eigentlich ist es ein fortwährender Prozeß, eine gute Web-Seite
ist eine Web-Seite, die es dem Kunden leicht macht, sich mit Ihr zu
beschäftigen, die ihm Informationen bietet, die ihm Vorteile bringt, die
seine Grundbedürfnisse anspricht. Eine Gute Web-Seite ist vor allem
entscheidungs- und handlungsorientiert. Sie arbeitet nach den Erkenntnissen
der Dialogmethode. |
|
Können Sie mir einige Tips geben,
wie ich eine Web-Seite nach der Dialog-Methode gestalten kann? |
Ja, allerdings auch hier nur in
gebotener Kürze. Das Folgende gehört übrigens in den Bereich der sogenannten
Web-Usability:
-
Berücksichtigen Sie auch hier
alles, was Sie bisher über Direct-Response gelernt haben, besonders die
vier P´s.
-
Verwenden Sie möglichst keine
Animationen und bewegte Bild- und Textelemente, wie z.B. Laufschriften und
animierte Bilder. Alles, was sich bewegt, erzeugt beim Leser das Gefühl:
"Gefahr im Verzug!" Und genau das können wir ja nun gar nicht brauchen. Es
ist übrigens ebenfalls ein angeborenes Verhalten. Das können Sie nicht aus
der Welt schaffen, und jammert der Web-Designer noch so sehr.
-
Die Ladezeit der Startseite sollte
möglichst nicht über 20 Sekunden bei 56 k liegen. Gehen Sie deshalb mit
graphischen Elementen und Java-Scripts äußerst sparsam um. Eine gute Seite
braucht keine Intros.
-
Der Leser muß seine Vorteile
bereits auf der Startseite binnen 10 Sekunden kapieren können. Er muß
schnell erkennen können, um was es bei Ihrem Angebot geht.
-
Füllen Sie Ihr Web-Angebot mit
ausreichend Inhalt, der dazu auch noch kostenlos sein muß. Die Nutzer
wollen sich erst einmal mit Ihnen und Ihrer Problemlöse-Kompetenz
beschäftigen. Das nennt man "vertrauensbildende Maßnahmen." Schaffen Sie
kein Vertrauen, so werden die Leute nicht kaufen. Dieser Grundsatz gilt
vor allem für das WWW, da wir hier kaum eine Möglichkeit der persönlichen
Einflußnahme haben.
-
Der Qualität Ihrer Texte sollten
Sie eine noch größere Aufmerksamkeit schenken, als in Print-Medien. Lesen
am Bildschirm dauert etwa 25 % länger als in der gedruckten Version. Es
sind Effektivitäts-Einbußen zu erwarten. Also muß ein Web-Text noch
leichter zu lesen, verständlicher und überzeugender sein, um den gleichen
Wirkungsgrad zu erreichen, wie der gedruckte Text.
-
Die Navigation auf der Web-Seite
muß kinderleicht sein. Jeder Link muß zu genau dem Angebot führen, was Sie
in ihm versprochen haben.
-
Farben sparsam und
verhaltensgerecht einsetzten. Eine Web-Seite, die aus allen Farbrohren
feuert, hat es schwer, überhaupt noch etwas hervorzuheben. Kann der Nutzer
seine Vorteile nicht wahrnehmen, wird er sich mit Ihrem Angebot auch nicht
mehr auseinandersetzen. Außerdem wird er so schnell nicht wiederkommen.
-
Ihre Seite soll frei sein von
Werbebannern und Pop-Ups.
-
Passen Sie Ihr Angebot den
Bedürfnissen Ihrer Zielgruppe an. Dazu gibt es zahlreiche Studien, wie
z.B. den
GfK-Online-Monitor. Eine Web-Seite für Kinder muß anders daherkommen,
als ein Finanzportal.
-
Noch mal zum Texten: Sprechen Sie
möglichst wenig über sich, sondern in der Hauptsache vom Kunden und seinen
Bedürfnissen. Motivationspsychologisch völlig unwirksam ist das elende
BlaBla, das Sie auf vielen Firmen-Seiten sehen können. Es wimmelt vor
selbstgefälligem PR-Material, das nur allzu Offensichtlich mehr mit
Prestige,- Macht- und Gewinnmotivation der Anbieter zu tun hat, als mit
den Problemen und Interessen der Kunden.
-
Jedes E-Commerce Angebot, das
Überleben will, muß entweder selbstmörderisch niedrige Preise bieten
(davon rate ich Ihnen ab) oder einen Zusatznutzen wie z.B. durch
Hintergrundinformationen, Produkt-Konfiguratoren, interaktive
Applikationen oder besonders bequeme Such- und Bestellfunktionen.
-
Die wichtigste Aufgabe der
Nutzerfreundlichkeit um Direct-Response auszulösen, liegt darin, die
immateriellen Kosten für die Bedienung eines Angebots so minimal zu halten
wie möglich. Sie schafft damit zwar keinen direkten Nutzen, sie sorgt
jedoch dafür, dass die implementierten Angebote wirksam werden können.
Mängel bei der Nutzerfreundlichkeit können die Kosten für die Besucher
Ihrer Web-Seite so ansteigen lassen, dass die nützlichsten Dienste ruiniert
werden.
-
Halten Sie die Wege kurz! Der Weg
vom Klick zur Information muß so kurz wie möglich sein. Sorgen Sie für ein
handlungsfreundliches Design, bieten Sie erkennbare Erfolgsrückmeldungen
für jeden einzelnen Klick. Brauchen die Nutzer erstmal 5 Klicks bis zur
gewünschten Information, so werden Sie sie zu 100 % verlieren.
-
Emotionen spielen auch im Web eine
große Rolle. Emotionen, die im Verlauf von gelingenden (oder mißlingenden)
Handlungen entstehen, sind für die Bewertung der Qualität einer Web-Seite
viel wichtiger als ein Kessel Buntes. Es besteht kein Zweifel daran, dass
es genau diese emotionalen Reaktionen sind, die über die Bereitschaft zum
erneuten Besuch oder eben Nicht-Besuch eines Angebots entscheiden. Seien
Sie ein Quell der Freunde, bieten Sie keinen Grund für unnötigen Ärger.
Denken Sie an die Ergebnisse entsprechender Studien. Nicht wenige
Teilnehmer an der Computerei berichten von Gewaltausbrüchen gegenüber
wehrlosen Mäusen, Tastaturen und Monitoren. In Einzelfällen wurden sogar
teuere Notebooks mutwillig zerstört, andere ließen ihre aufgestaute
Frustration an unbeteiligten Mitmenschen aus.
-
Das Gestalten Ihres Web-Auftritts
sollte also folgendes Ziel haben: Beim Benutzer sollten positive
emotionale Erfahrungen erzeugt werden - negative Erfahrungen sind
möglichst auszuschalten. Der Nutzer sollte in einen Flow-Zustand
geraten. Das heißt, er soll sich in Ihre Web-Seite "versenken". Er soll
sich so in Ihr Angebot vertiefen, dass er von anderen Dingen absorbiert
wird. Dazu benötigen Sie wiederum viele Inhalte - was sich in Sekunden
konsumieren läßt, kann zwar nützlich sein, ist aber als Flow-Auslöser
nicht unbedingt geeignet. Außerdem sollte der Nutzer das Geschehen selbst
wirksam steuern können, er will die Kontrolle behalten. Brauchen Sie noch
ein Beispiel? Hier ist es: Sie selbst! Wenn es mir nicht gelungen wäre,
Sie wirksam zu beeinflussen und bei der Stange zu halten, dann hätten Sie
es bis hierin gar nicht ausgehalten. Stimmt´s?
|
|
Hat das Internet in bezug auf die
Werbewirksamkeit eigentlich einen besonderen Vorteil gegenüber der
klassischen Werbung? |
Einen bedeutenden sogar. Wir
sind willkommen! Werbung wird im allgemeinen als störend wahrgenommen.
Der Nutzer, der unsere Seite anklickt, tut dies bewußt. Nicht nur seine
Ablehnung ist entsprechend gering, auch sein Involvement, seine
Bereitschaft, sich mit dem Angebot zu beschäftigen, ist größer. Schließlich
ist er ja freiwillig hier. Wir haben uns ihm nicht aufgedrängt. Das macht
uns weniger verdächtig. Trotzdem müssen wir natürlich die Regeln im
Direct-Response beachten, sonst ist er schnell wieder weg. Aber das ist
Ihnen inzwischen ja wohl klar. Oder etwa nicht? |
|
Natürlich! Sagen Sie, gibt es
eine einfache Technik, mit der ich mein Web-Angebot schnell und sicher
bewerten kann? |
Ja. Eine einfache
Bewertungs-Methode besteht darin, alle Inhalte der Seiten nacheinander
systematisch und mit besonders kritischem Blick zu betrachten. Stellen Sie
sich bei jeder Seite immer wieder die Frage: Wem nützt das? Welche
Motivation spricht das an? Fällt Ihnen nicht sofort eine schlüssige Antwort
ein, dann weg damit! |
|
Herr Ressmann, haben Sie noch ein
paar warme Worte zum Schluß? |
Aber gern. Ich hoffe, ich habe
Ihnen in diesem Beitrag klargemacht, wie Werbung richtig eingesetzt werden
muß, damit sie verkauft. Ich empfehle Ihnen, die Methoden sofort
einzusetzen. Seien Sie ein Handlungsriese, kein Umsetzungszwerg! Setzen Sie
die Methoden jedoch sorgsam ein. Es nutzt nichts, die Menschen so zu
manipulieren, dass sie sich am Ende betrogen fühlen. Sie müssen auch das
erfüllen, was Sie versprechen. Und dazu müssen Sie noch weit mehr
Anstrengungen unternehmen als einfach nur gute Werbung zu machen. Wenn Ihnen
die Kunden künftig die Bude einrennen, brauchen Sie vor allen eine gute
Vertriebslogistik, motivierte Mitarbeiter und einen Kundenservice, der
diesen Namen verdient. Das Internet kann auch hier wertvolle Dienste
leisten. Handeln Sie jetzt, sonst tut es die Konkurrenz! |
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